Die Preußische Zentralstadtschaft

Mai 21, 2011

Die Preußische Zentralstadtschaft ist ein Verband der folgenden in Preußen bestehenden
acht Stadtschaften:
Zusammensetzung und  Zweck des Verbandes.

Stadtschaft  der Provinz Brandenburg, Berlin, Pom-mersche Stadtschaft, Stettin,  Ostpreußische Stadt­schaft,  Königsberg Pr., Stadtschaft der Provinz Hannover, Hannover, Stadtschaft der Provinz Grenz­mark Posen-Westpreußen, Schneidemühl, Ober-schlesische Stadtschaft, Ratibor, Stadtschaft der Provinz Sachsen, Halle a. S., Stadtschaft der Pro­vinz  Niederschlesien, Breslau.

Der  Name „Stadtschaft“ ist in Anlehnung an den  Namen „Landschaft“ entstanden; während die Landschaften der Landwirtschaft langfristige Kredite  zuführen, dienen die Stadtschaften dem Realkredit  durch die Hergabe von erststelligen Tilgungsgoldhypotheken  auf bebaute oder in der Bebauung  befindliche Hausgrundstücke.

Aufgabe der Zentral­stadtschaft  und der Einzelstadtschaften.

Aufgabe  der Zentralstadtschaft ist die Ausgabe und  der Vertrieb der durch Goldhypotheken ge­deckten Pfandbriefe, während die Einzelstadt-schaften  die Darlehnsgewährung in ihrem provin­ziellen Beleihungsbezirk ausüben.

Der  Londoner Gold­preis  als Grundlage für die  Berechnung des Geldwertes.

Die  Goldpfandbriefe der Preußischen Zentralstadt­schaft  werden zum Goldmarkpreise verzinst und zum Goldmarkpreise in deutscher Reichswährung eingelöst. 1 Goldmark =  1/2?9o  kg Feingold. Als amtlich festgestellter Preis für Feingold gilt der im  Reichsanzeiger bekanntgegebene Londoner Goldpreis.
Es ist also ein Wertverhältnis zum
Gold  festgelegt; die Goldpfandbriefe sind dem­nach  wertbeständig.

aus: Der Goldpfandbrief der Preußischen Zentralstatschaft, o.J. (vermutlich 1931), S.2 und 4

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Royal Wedding

April 29, 2011

Der Filmtitel Royal Wedding von 1951, der sich auf die Hochzeit der späteren Elisabeth II. und Philipp von 1947 bezog,  konnte noch mit Königliche Hochzeit übersetzt werden.

Heute ist das Wort königlich vielen nicht mehr gut genug für eine solche Hochzeit, es muss eine royale sein.

Mal sehen, wie viele Leser durch das Schlagwort Royal Wedding angezogen werden. 😉

Wikimedia Deutschland – Versuch eines Mitglieds, die Vorgänge in seinem Verein zu verstehen

April 14, 2011

Ich bin Wikimedia Deutschland, dem deutschen Chapter (Zweig) der Wikimedia Foundation beigetreten, weil er sich zur Aufgabe gestellt hat, Wikipedia in der Öffentlichkeit zu vertreten und „freies Wissen zu fördern“.

Damals hatte ich den Eindruck, dass die Wikipedia oft zu negativ gesehen wurde. Das Niveau der freiwilligen Mitarbeiter wurde m.E. unterschätzt. Jetzt ist die Wikipedia bekannt, ihr Niveau weitgehend anerkannt, der Niveauunterschied von Artikeln mit großer Wikipedianeröffentlichkeit und manchen Randartikeln wird aber weit unterschätzt.

Durch Spenden, die an sich der Wikimedia Foundation zur Förderung der weltweiten Wikipedia zugedacht sind, kommt Geld herein, das aus rechtlichen Gründen nicht ohne weiteres an die Foudation weitergeleitet werden kann, es gibt mehr und mehr hauptamtliche Mitarbeiter. An die Stelle der kompromisslosen Selbstausbeuter der Anfangsjahre treten Vorstandsmitglieder, die ihr Renomee nicht mehr primär aus ihrer Arbeit in der Wikipedia beziehen, sondern eher an ihrer Vereinsarbeit gemessen werden müssten, und Hauptamtliche, die für ihre Arbeit mehr oder minder gut bezahlt werden.

An ihnen, vor allem aber am Vorstand, ist jetzt recht harte Kritik geübt worden, sie informierten nicht genug über ihre Arbeit. Seit die Mitgliederversammlungen nur noch in Berlin abgehalten werden, fahre ich nicht mehr dahin. Wie kann ich beurteilen, was passiert?

Ich bin dankbar für die Verlaufsprotokolle der außerordentlichen und der turnusgemäßen Sitzungen. Ich freue mich zu lesen, dass kontrovers diskutiert wurde, dass aber der Versammlungsleiter offenbar von beiden Seiten ohne weiteres akzeptiert wurde, obwohl an seinem Stellvertreter durchaus Kritik geübt wurde (aus meiner Sicht, der Sicht eines, der nicht dabei war, eine eher etwas überzogene Kritik). Es gab für fast alle Posten Gegenkandidaten. Die Mehrheiten lagen deutlich unter den bei Bundesparteitagen der Parteien üblichen. Bei den Beisitzerwahlen gab es freilich m.E. zu wenig Konkurrenz. Die meisten Stimmen bekamen da altgediente Wikipedianer mit gutem Renomee in der Gemeinschaft.

So weit ich es den offiziellen Dokumenten entnehmen kann, funktioniert die Überwachung der Vorstandsarbeit noch und ich glaube, sie getrost der Mitgliederversammlung und der nationalen Presse überlassen zu können.

Für Kritik an der Wikipedia sind gegenwärtig der ChaosComputerClub und die Piraten gut. Meines Erachtens ist die Kritik freilich überwiegend überzogen.

Ich werde versuchen, mich gelegentlich im Wikimediamitgliederforum auf den neusten Stand zu bringen. Natürlich wüsste ich gern mehr über die Arbeit des Vereins; aber schließlich sollen sie ja primär externe Öffentlichkeitsarbeit machen und freies Wissen fördern, d.h. dem Vereinszweck dienen und nicht primär meinem Informationsbedürfnis.

Freilich, nach dem, was vorhergegangen war, konnte ich als Briefwähler nicht ohne weiteres den Vorstand wählen. Leichter fiel es bei bekannten Wikipedanern.

Ein ehemaliges Vorstandsmitglied, das ich persönlich kenne, ist zur Wikimedia Foundation nach Kalifornien gegangen. Dort leistet es gewiss gute Arbeit. So wie ich es einschätze, auch wichtige. Die zu beurteilen, mache ich freilich gar nicht erst den Versuch.

Und dann werde ich immer wieder aufgerufen, mich an den Wahlen für Posten mit internationalen Führungsaufgaben in der Wikipedia zu beteiligen. Da könnte ich mich nur nach Empfehlngen von Informierteren richten. Das unterlasse ich lieber.

Es gibt freilich Persönlichkeiten in der Wikipedia, die ich ohne Bedenken für solche Posten wählen würde, wenn sie sich denn dafür bewerben würden. Aber so weit treiben die Selbstausbeutung selbst die nicht.

Der Autorenschwund in der Wikipedia hat auch erfreuliche Gründe

April 11, 2011

 

Es gibt zwei erfreuliche Gründe für Autorenschwund in der Wikipedia: Weil schon so viele Artikel existieren, gibt es weniger Anlass, neue zu schreiben, und weil die Qualität der Artikel inzwischen meist recht hoch ist, ist es schwieriger, entsprechend gute Artikel zu schreiben und vorhandene zu verbessern.

Das habe ich sowohl in der deutschen als auch in der Simple English Wikipedia festgestellt.

Die anderen Gründe gelten freilich auch. Gegenwärtig arbeite ich hauptsächlich in einem Lehrerwiki, wo ein sehr freundlicher Umgangston herrscht.

Be der Gelegenheit noch einmal ein Lob: Es gelingt mir nur sehr selten, in der Wikipedia aktuelle Artikel zu verbessern, und schon gar nicht, welche anzulegen. Die Qualität, die Artikel etwa wie zum Störfall in Fukushima in kürzester Zeit erreichen, ist beachtlich.

Besatzungszonen 1945

April 9, 2011

Strafanzeige gegen Wikipediaautoren wegen Verletzung des Urheberrechts

März 13, 2011

So sehr ich die Strafanzeige bedaure, so muss ich doch darauf bestehen, dass Georg Zoche im Recht ist, wenn er fordert, dass sein Urheberrecht respektiert wird und dass es erlaubt sein muss, in der Wikipedia – wie in wissenschaftlichen Werken – sich selbst zu zitieren.

Das Interview von Benedikt XVI. und seine Widerspiegelung in der Wikipedia

November 25, 2010

Auf die Nachrichten über Benedikts Buch „Licht der Welt“ hin setzte ich am 22.11.10 folgende Passage in den Artikel zu Benedikt XVI.:

Differenzierte Stellungnahme zu StreitfragenIn einem Interview am 21.11.2010 hat Benedikt XVI. einige Aussagen aus seinem Buch „Licht der Welt. Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit“ vorweggenommen und u.a. erklärt, dass:
die Verwendung von Kondomen unter bestimmten Voraussetzungen gerechtfertigt sein könne (Aidsverhütung)
– ein Papst im Krankheitsfall das Recht zum Rücktritt habe und bei dauernder Unfähigkeit zur Amtsausübung sogar die Pflicht
– ein verallgemeinertes Burkaverbot nicht sinnvoll sei und dass Moscheen auch in den westlichen Ländern gebaut werden sollten
– er Bischof Richard Williamson nicht teilrehabilitiert hätte, wenn er gewusst hätte, dass dieser die Existenz der Gaskammern der Nazis leugnete. [Link]
Eine Stunde später hieß es auf der Diskussionsseite des Artikels: „Die derzeitige Lösung mit dem Abschnitt „Differenzierte Stellungnahme zu Streitfragen“ finde ich unglücklich, nicht nur, weil „differenzierte“ eine Wertung ist, sondern auch, weil es sich ein Sammelsurium von Aussagen handelt, die zum Teil thematisch in andere Abschnitte gehören, etwa „Burkaverbot“ und Moscheebau zum Verhältnis zum Islam, Williamson zu den Piusbrüdern.“
Etwa eineinhalb Stunden später wurde der Abschnitt gelöscht mit der Begründung: „Die aufgeführten Punkte bitte nicht als Aufzählung der aktuellen Presseberichte stehen lassen, sondern an geeigneter Stelle in den Artikel einarbeiten.“

Heute, am 25.11., kenne ich einige Passagen aus dem Interview aufgrund eines ZEIT-Artikels von heute genauer. Da heißt es:

»Es mag begründete Einzelfälle geben«, sagt der Papst, »etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein kann, ein erstes Stück Verantwortung, um wieder ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will.«
Die Kasuistik, die der Papst hier anwendet – übersetzt so viel wie »Lehre von den (Einzel-)Fällen« –, ist eine jahrhundertealte, zumal von Jesuiten entwickelte Methode, um von den abstrakten Moralprinzipien der Kirche zu dem individuell Gebotenen zu kommen. Dahinter steht die Einsicht, dass Moralprinzipien sich auch in die Quere kommen können und die Verletzung des einen Verbotes (hier von künstlichen Verhütungsmitteln) unter Umständen möglich sein muss, um die Verletzung eines anderen, höherrangigen Verbotes (hier der Schädigung von Leib und Leben des Nächsten) zu verhindern.
Das Werk mit dem Titel „Licht der Welt“ beleuchtet auch persönliche Seiten des katholischen Kirchenoberhaupts.
Der Papst tut also in der Interviewäußerung keinen revolutionären Schritt, sondern bewegt sich in ältester Kirchentradition. An der grundsätzlichen Geltung eines Verbotes ändert der individuelle Dispens nichts. Benedikt XVI. beharrt an mehreren Stellen des Buches auf der Ablehnung des Kondoms (mehr noch der Pille) und begründet sie in der strittigen Passage noch einmal folgendermaßen: »Die bloße Fixierung auf das Kondom bedeutet eine Banalisierung der Sexualität, und die ist ja gerade die gefährliche Quelle dafür, dass so viele Menschen in der Sexualität nicht mehr den Ausdruck ihrer Liebe finden, sondern nur noch eine Droge, die sie sich selbst verabreichen.«

In der Tat könnte man in dem Artikel inzwischen Differenzierteres schreiben, als ich es getan hatte. Und in einem Artikel zu „Licht der Welt“ ohnehin. Bieher steht im Artikel freilich nichts zu dem Interview.
Man merkt, hier stehen Wikiprinzip („schnell“) und gut abgesicherte Aussage in Gegensatz.

Bei Gelegenheit werde ich überprüfen, was dann in den betreffenden Artikeln steht.

Was gehört zur Geschichte?

Oktober 9, 2010

1. Natürlich ist das, was man Geschichte nennt, Definitionssache.
2. Ein kurzer Blick in die Wikipedia führt einige Definitionen vor.
3. Nur Geschichte seit der Erfindung der Schrift ist Gegenstand der Geschichtswissenschaft, denn erst über Schriftzeugnisse wird das fassbar, was der Mensch aus dem Erfahrenen als seine Geschichte versteht. Menschen, z.B. Germanen wurden freilich schon Teil der Geschichte, bevor sie selbst über sich (linear) berichtet haben, nämlich als sie ins Blickfeld von anderen gerieten, die das taten.
Freilich, ihr Bewusstsein von Geschichte, ihr Selbstverständnis, war damals meist noch nicht im Blick. Aber auch heute noch muss vieles von der Geschichtswissenschaft erfasst werden, wozu es keine schriftlichen Quellen gibt (vgl. oral history). Das Bild des Geschichtswissenschaftlers muss sich also stets auf weit mehr Quellen stützen als auf die schriftlichen. Selbstzeugnisse, auch lineare, gibt es auch ohne Schrift. Zum einen die mündliche Überlieferung vor der schriftlichen Fixierung (z.B. Gilgameschepos und die ihm zugrundeliegenden Mythen), aber auch bildliche Darstellungen wie etwa die atztekischen Chroniken usw. Wie gesagt, Definitionsfrage und Anlass, noch viele Jahre darüber nachzudenken und zu diskutieren.

Die Antwort, die in der Wikipedia gegeben wird, ist zwar meiner Meinung nach immer noch schwer zu verbessern (ich bitte aber darum!). Im konkreten Fall hilft die oben stehende Antwort aber vielleicht noch besser.

Verliert Wikipedia Autoren und wenn ja, warum?

August 21, 2010

Die FAZ konstatiert: Wikipedia verliert Autoren.
Natürlich gibt es einen normalen Wechsel, natürlich werden potentielle Autoren aufgrund der an sie herangetragenen Erwartungen abgeschreckt. Das ist normal und könnte zur Qualitätssteigerung beitragen. Schließlich werden ständig so viele neue Artikel erstellt, dass die Administratoren sich freuen, wenn deren Zahl sich in Grenzen hält.
Die Frage ist freilich: Werden gute eher als mittelmäßige Autoren abgeschreckt? Diese Frage wage ich nicht zu beantworten, denn die mir bekannt gewordenen Untersuchungsergebnisse reichen meiner Einschätzung nach bei weitem nicht aus, eine fundierte Antwort zu begründen.
Zum einen: Die Zahl der Artikel wächst in der englischsprachigen Wikipedia täglich um 1000, in der deutschen täglich um 400. (vgl. Bildblog) Die FAZ spricht zu Unrecht von einem Artikelrückgang (nur die Steigerungsrate geht zurück, das ist aber unvermeidlich, wenn erst einmal eine gewisse Größe erreicht ist.) Newsweek, auf das die FAZ sich stützt, spricht von einem Rückgang der Zahl der Autoren.
Zum anderen: Wenn die Zahl der Autoren zurückgeht, so ließe sich das sehr wohl auf gestiegene Qualitätsanforderungen zurückführen. Und dass die Wikipedianer sich um qualifizierten Nachwuchs sorgen, das haben sie mit der bundesrepublikanischen Wirtschaft gemeinsam. Nur: die Wikipedia kann ihre Autoren nicht bezahlen und sie hat auch kein Grenzregime, das jährlich tausende Mitarbeitswillige in den Tod schickt, wie die EU es hat.

Weltwirtschaft seit 1990

Juli 31, 2010

Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks und der sich daraus ergebenden enormen Ausweitung des marktgesteuerten Wirtschaftsraumes setzte sich Deregulierung, wie sie im Washington Consensus von 1990 festgelegt wurde, weltweit durch. Schon 2005 überschritt der Welthandel die Grenze von einer Billion Dollar, doch seine enorme Steigerung wurde bei weitem übertroffen von den Finanztransaktionen, denen kein Warenaustausch zugrunde lag. Trotz unterschiedlicher Berechnungen besteht Einigkeit darüber, dass der Warenaustausch zu Beginn der Finanzkrise 2007 weniger als 10% der Finanztransaktionen ausmachte.

Die Finanzkrise führte zu einer deutlichen Stärkung des wirtschaftlichen Gewichts der asiatischen Länder, die weniger in Spekulationspapiere investiert hatten. Wie sich die Krise mittelfristig weltwirtschaftlich auswirken wird, ist aber noch nicht zu übersehen.