Archive for Januar 2009

Gegen das Vergessen: Erinnerungskultur

Januar 13, 2009

Gegen das Vergessen ist ein wichtiger Grundsatz der Geschichtspolitik insbesondere im Zusammenhang mit dem Holocaust und den Opfern der Zeit des Nationalsozialismus.

Strittig ist freilich, ob das auch für andere Bereiche – gegenwärtig ist besonders die Vertreibung von Deutschen nach 1945 in der Diskussion – gelten sollte.

Wichtig werden könnte der Grundsatz z.B. im Kontext
* mit den Gründen, die zur Sozialen Marktwirtschaft geführt haben [1948]
* mit den Gründen, die zur europäischen Einigung geführt haben (Schuman-Plan 1951/52) – (vgl. Referenden in Frankreich und den Niederlanden)
* mit den Gründen, die zur deutschen Einigung geführt haben (1989)
* mit den Opfern des Schießbefehls der DDR (gegen Verlassen eines Landes)
* mit den Opfern des Schengener Abkommens (gegen das Eindringen von Wirtschaftsflüchtlingen und anderen potentiell nicht Asylberechtigten in die EU)
* mit der Katastrophe von Tschernobyl

Methoden dieser Geschichtspolitik sind

* Dokumentationen in Büchern, Zeitungen, Fernsehen, usw.
* Archivierung und Zugänglichmachen von Originaldokumenten
* Wissenschaftliche Aufarbeitung
Geschichtswettbewerbe
* Gedenkstätten
* Gedenktage und Feierstunden
* Denkmale

vgl. auch:
* Holocaustdenkmal
* Verfolgte des Naziregimes
* Filmarchiv
* Langzeitgedächtnis

Auf einer gelungenen Seite mit „Stadtteil-Geschichten“  zum Kassler Stadtteil Bettenhausen finden sich hier auch viele recht persönliche Erinnerungen.

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Sinnstiftung

Januar 13, 2009

Sinnstiftung ist der erfolgreiche Versuch, einem sonst unerklärlichen oder erdrückenden („sinnlosen“) Geschehensablauf einen ‚höheren‘ Sinn zuzuweisen.

Erst etwas, was „Sinn hat“, ermöglicht eine Identifizierung des Sinnstifters (eines Einzelnen oder einer Gruppierung) mit einem sonst ganz fremdartig erscheinenden und damit unbefriedigenden Vorkommnis. Sinnstiftung erlaubt Kausalitätszuweisungen, wo vorher Ungewissheit herrschte. Rituell abgestützt lässt sie sich historisch überliefern.

Besonders ein Mythos erbringt Sinnstiftung. Ausgebaute Theologien halten vorab anpassungsfähige Sinnangebote bereit, die sich auch bei ganz neuartigen Ereignissen mehr oder minder zu bewähren vermögen. Ein klassisches und kritisches Beispiel der Anstrengung, Sinn in überwältigende Lebenskatastrophen zu bringen, bietet bereits die Bibel im Buch Hiob.

Sinnstiftung kann individuell (z. B. als Wahn) und gesellschaftlich (z. B. als Ideologie) extreme Formen annehmen.

Literatur

Sommer, Andreas Urs: Sinnstiftung durch Geschichte? Zur Entstehung spekulativ-universalistischer Geschichtsphilosophie zwischen Bayle und Kant, Basel, 2006

Siehe auch

Sinn des Lebens
Identitätsbewusstsein, Logotherapie,
Absurdität

Fürstenhecke

Januar 13, 2009

Deutschland wurde als die Fürstenhecke Europas bezeichnet, wobei Hecke in diesem Fall von hecken im Sinne von hervorbringen gemeint ist, weil es nach dem Westfälischer Frieden hier viele souveräne Landesherren gab, mit denen für die regierenden Herrscherhäuser standesgemäße Ehen möglich waren. So findet sich in den Ahnentafeln der meisten europäischen Herrscher des 19. Jahrhunderts irgendein deutscher Vorfahr.

Ein Beispiel für den Aufstieg aus einem deutschen Kleinstaat an die Spitze des absolutistisch regierten Russland stellt z. B. Katharina II. von Russland dar, deren Vater als preußischer General diente und die als Sophie Auguste Friederike von AnhaltZerbstDornburgBKL geboren wurde.

Menschheitsgeschichte – Struktur

Januar 4, 2009

Zur allgemeinsten Struktur der Menschheitsgeschichte: Sie beginnt bei der Biologie (Entstehung der Arten, Hominisation) und führt zu Politik und Wirtschaft (Politik der Staaten, der multinationalen Konzerne, der internationalen Organisationen regierungsorientierter (UNO) und nicht regierungsgebundener (NROs). Dementsprechend ist sie am Anfang auf den allgemeinen historischen Übergang zum Menschen (in Afrika) konzentriert, differenziert sich bei den Hochkulturen aus und wird über die mit dem Kolonialismus beginnende Globalisierung wieder zusammengeführt. Die differenzierte Behandlung verbietet sich vom 20. Jahhundert ab, weil sie in die Darstellung von über hundert Staaten, ihrer gegenseitigen Beziehungen und ihres Wachstums und Zerfalls auseinander fiele. Da setzt legitim die Beschreibung von Weltpolitik, Weltwirtschaft, globaler Technik- und Wissenschaftstrends ein.