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Indien – Wassermangel

Mai 13, 2009

Indien deckt die Hälfte seines Wasserbedarfs aus Grundwasser. (S.178) Doch nur die Hälfte des Verbrauchs wird natürlich ersetzt. (S.176) Deshalb sinkt der Grundwasserspiegel laufend ab. Viele Pumpen reichen schon über 100 m hinunter. Es gibt waterlords, die über solche Brunnen den Bauern der Umgebung das Grundwasser entziehen, um es ihnen dann teuer zu verkaufen. Gedeckt wird das durch ein Kolonialgesetz von 1882, die Indian Easement Acts. (S.175)

Im Grundwasser tauchen Industrieverschmutzungen auf. Während sie bei Oberflächenwasser in kurzer Zeit, höchstens nach einigen Wochen wieder beseitigt sind, wenn die Quelle ausgeschaltet ist, dauert es beim Grundwasser Jahrtausende. (S.177)

Da die Zuständigkeit für die Wasserversorgung bei den Bundesländern liegt, kann der Bund keine einheitlichen Regelungen durchsetzen. (S.178f.)

Dietmar Rothermund: Indien. Aufstieg einer asiatischen Großmacht, München 2008

Entwicklung der indischen Softwareindustrie

April 28, 2009

Die Entwicklung der indischen Softwareindustrie zum wichtigsten Exporteur Indiens hat im wesentlichen zwei Ursachen.

Zum einen wurde – entgegen der allgemein geltenden Strategie der Importsubstitution – Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts unter Rajiv Gandhi der Import von Computern erlaubt. (Rothermund: Indien, S.131) Das führte dazu, dass die bisherigen Hardware-Hersteller vor dem Ruin standen, wenn es ihnen nicht gelang, sich entweder auf den Zusammenbau ausländischer Computerteile zu beschränken oder auf die Produktion von Software umzustellen.

Zum anderen war der Export der Software, da er über Telekommunikation lief, der Zollkontrolle entzogen. („Dewang Mehta, der Präsident von NASSCOM sagte dazu treffend, dass in einem Satelliten keine Zollbeamten säßen.“ (Rothermund: Indien, S.132)) Außerdem war die Softwareproduktion, da sie den Dienstleistungen zugerechnet wird, nicht von den Gesetzen für Industriefirmen betroffen. Überdies wirkte sich die Verbilligung der Telekommunikationstarife kostensenkend aus. („Während man 1984 noch 1,2 Mio. US-Dollar pro Monat für eine Satellitenverbindung von 2 MB-Bandbreite zahlen musste, waren es 2002 nur noch 3 800 US-Dollar, und in den folgenden drei Jahren fielen die Preise nochmals um 40 Prozent.“ (Rothermund, S.133))

Die bedeutendsten indischen Firmen im Softwarebereich sind TCS (Tata Consultancy Services), WIPRO (Wipro Technologies), das von Azim Premji von der Produktion von Pflanzenöl auf die von Software umgestellt wurde, und INFOSYS (Infosys Technologies), das jüngste der drei Unternehmen, das 1981 von N. R. Narayanamurthy gegründet wurde.

Literatur

  • Dietmar Rothermund: Indien. Aufstieg einer asiatischen Weltmacht, C.H. Beck, München 2008 ISBN 9783893319008
  • A. Sheshabalaya: Rising Elephant. The Growing Clash with India over White Collar Jobs and its Challenge to America and the World, Momroe/Maine 2005

    Shashi Tharoor: Eine kleine Geschichte Indiens, Suhrkamp, Frankfurt 2005 ISBN 3893316353