Archive for Juli 2010

Weltwirtschaft seit 1990

Juli 31, 2010

Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks und der sich daraus ergebenden enormen Ausweitung des marktgesteuerten Wirtschaftsraumes setzte sich Deregulierung, wie sie im Washington Consensus von 1990 festgelegt wurde, weltweit durch. Schon 2005 überschritt der Welthandel die Grenze von einer Billion Dollar, doch seine enorme Steigerung wurde bei weitem übertroffen von den Finanztransaktionen, denen kein Warenaustausch zugrunde lag. Trotz unterschiedlicher Berechnungen besteht Einigkeit darüber, dass der Warenaustausch zu Beginn der Finanzkrise 2007 weniger als 10% der Finanztransaktionen ausmachte.

Die Finanzkrise führte zu einer deutlichen Stärkung des wirtschaftlichen Gewichts der asiatischen Länder, die weniger in Spekulationspapiere investiert hatten. Wie sich die Krise mittelfristig weltwirtschaftlich auswirken wird, ist aber noch nicht zu übersehen.

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Weltwirtschaft seit 1945

Juli 27, 2010

Nach 1945 wurde im Zuge des Marshallplans eine stark kooperierende west- und mitteleuropäische Wirtschft aufgebaut, die über das Bretton-Woods-System in einen Verbund von 40 Staaten durch feste Wechselkurse verbunden war. Die wirtschaftliche Spaltung verlief jetzt zwischen West- und Ostblock. Doch in den 70er Jahren geriet dies System durch zwei Entwicklungen in die Krise: zum einen durch stärkere Automatisierung und die parallele Verlagerung von Arbeitsplätzen des ersten und zweiten Sektors in Ländern mit billigeren Arbeitskräften, zum andern durch die gestiegene Macht der OPEC-Länder und die dadurch erzwungene Ölpreiserhöhung (Ölkrise). Der daraus resultierende Anstieg von Warenbewegungen sowie der Ölpreisanstieg führte zu einer Vervierfachung des Welthandels und die daraus sich ergebenden Investitionen zu einer Versechsfachung der Auslandsinvestitionen.

Weitere Integration der Wirtschaftsräume

Juli 19, 2010

Zwischen 1800 und 1913 nahm der Welthandel auf das 25-Fache zu und wuchs damit noch stärker als die Weltproduktion.[2] Das war zum einen auf sinkende Frachtraten, zum anderen auf Zollreduktionen zurückzuführen, bei denen Großbritannien beispielgebend vorausgegangen war. Freilich reduzierten nicht alle Staaten freiwillig die Zölle. Indien tat es nur, weil es Teil des British Empire war. China und das Osmanische Reich wurden im Zuge von Kreditverhandlungen dazu verpflichtet.[3] Der Trend zur Handelsausweitung wurde auch dadurch nicht gebrochen, dass ab 1870 eine Reihe europäischer Staaten zur Schutzzollpolitik überging.

Auf dem Weg zur Weltwirtschaft

Juli 19, 2010

Schon die Wirtschaftsräume des Altertums waren durch vielfätige Handelsrouten, die so genannte Seidenstraße, mit einander verbunden, und im Zeitalter der Kreuzzüge verstärkte sich dieser Austausch erheblich, insbesondere zwischen dem arabischen und dem europäischen Raum. Auch das Mongolische Reich trug zum ost-westlichen Austausch bei, doch erst im Laufe der europäischen Expnsion tragen die Wirtschaftsbeziehungen weit entfernter Wirtschafträume entscheidend zur Kapitalakkumulation eines Raumes bei. Zunächst schafften die Konquistadoren recht einseitig Reichtümer aus den neu entdeckten und eroberten Gebieten nach Europa. Doch im Zuge der Industriellen Revolution kam es dann zu einem Warenaustausch dieser weit voneinander entfernten Wirtschaftsräume, der den Produktionsaufwand für beide Seiten herabsetzt.[1] Aufgrund dieser praktischen Erfahrung wird der Merkantilismus als ökonomische Theorie ganz aufgegeben und mehr und mehr durch die Freihandelstheorie ersetzt. Erst in dieser Phase entsteht eine Weltwirtschaft im modernen Sinne.

Narration, Geschichtsverständnis und Identitätsbewusstsein

Juli 19, 2010

Ich möchte hier auf eine interessante Arbeit von Norman Danner hinweisen:
Rekonstruktion – Dekonstruktion – Narration:   Quellenarbeit mit Hilfe der Wiki-Technik, Frankfurt 2009 (pdf-Datei)

Er hat auch ein Wiki angelegt, auf dem Schüler die Technik der Sinnbildung durch Narration erfahren sollten. Leider ist da bisher noch nicht viel passiert.

Wichtig sind mir auch seine Hinweise auf Reflexionen von Jörn Rüse, von denen ich hier nur einen Titel anführen möchte: RÜSEN, JÖRN, Geschichtsdidaktische Konsequenzen aus einer erzähltheoretischen Historik, in: QUANDT, SIEGFRIED / SÜSSMUTH, HANS (Hrsg.), Historisches Erzählen, Göttingen, 1982, S. 129–170

Dazu vgl. auch Sinnstiftung und Identitätsbewusstsein.

Dieser Hinweis dient wesentlich mir selbst bei einer späteren Beschäftigung mit Geschichtsdidaktik, ist aber vielleicht auch für andere nützlich.

Fortschreibung der Menschheitsgeschichte

Juli 17, 2010

Bei der Betrachtung der Geschichte des 21. Jahrhunderts wird mir deutlich, dass ab dem Ende des 20. Jahrhunderts die Entwicklung der Weltwirtschaft, insbesondere des Welthandels und die Geschichte einiger wichtiger Weltkonzerne zum Verständnis der Menschheitsgeschichte von wachsender Bedeutung sind (vgl. Finanzkrise ab 2007). Leider liegt dazu in der Wikipedia nur sehr wenig Zusammenfassendes vor. Ich hoffe also darauf, dass dieser Bereich noch besser bearbeitet wird.

Dafür habe ich schon mal ein wenig Material zur Geschichte der Weltwirtschaft zusammengetragen und bin dankbar für alle Hinweise, Ergänzungen und natürlich Kritik.

Die interessiert mich auch zu den kurzen Zusätzen, die ich heute in den Artikel Menschheitsgeschichte gesetzt habe:

„Zunächst erschien es so, als könne die Beendigung des Kalten Krieges aufgrund allgemeiner Abrüstung zu einer Friedensdividende und zu allgemeiner Demokratisierung führen. Dabei herrschte angesichts der unumstrittenen Stellung der USA als einziger verbliebener Supermacht auch eine gewisse Einigkeit darüber, dass die wirtschaftliche Entwicklung von Deregulierung und Globalisierung geprägt sein sollte.[49]

[…]

Innenpolitisch erzielte [Obama] 2010 mit seiner – aufgrund massiver Gegenwehr freilich verwässerten – Gesundheitsreform einen ersten und mit den Maßnahmen zur Regelung des Finanzmarktes[52] einen zweiten Erfolg.

Neben die G 8 trat als internationales Konsultationsforum die G 20, der neben anderen Schwellenländern insbesondere China und Indien angehörten. Diese gewannen bei Beratungen über die Finanzkrise ab 2007 verstärkte Bedeutung[53] und machten auch sonst immer häufiger als Großmächte ihre nationalen Interessen geltend, …“

Ich bitte auch die Anmerkungen anzuklicken, die direkt zu den Anmerkungen in der Wikipedia führen, und die auch zu begutachten.

Geschichtsartikel in der Wikipedia

Juli 9, 2010

Eine interessante Rezension einiger Geschichtsartikel aus Wikipedia legt Peter Haber im histnet-Blog vor.

Dabei konstatiert er: sehr unterschiedliche Qualität der Artikel, Probleme besonders bei Überblicksartikeln, unzureichende Benutzung ausländischer Literatur u.a.. Bei allen Beobachtungen möchte ich ihm zustimmen, sehe den gegenwärtigen Stand aber nicht ganz so kritisch. Wenn ich die Artikel von vor sechs Jahren, als bei der Wikipedia als IP anfing, mit den gegenwärtigen vergleiche, so stelle ich meist erhebliche Verbesserungen fest.

Leider gilt das aber nicht für die von mir verfassten. So hoffe ich darauf, dass auch mal Artikel von mir in den kritischen Blick kommen, damit ich mich erfolgreicher um Verbesserung bemühen kann.

Zwei Anmerkungen möchte ich noch zu Habers Artikel machen:

Zum einen: Dass Geschichtsartikel der verschiedenen Sprachen von nationalen Sichtweisen geprägt sind, ist immer wieder zu beobachten. Es gerade daran festzumachen, dass die englische WP sich über die Körpergröße von Dollfuß mokiert, scheint freilich nicht besonders bezeichnend.

Zum andern: Zu Recht wird angemerkt, dass fremdsprachige Literatur bei der Erstellung der Artikel weniger beachtet wird. Freilich legt es sich nahe, dass jemandem, der die deutschsprachige Wikipedia benutzt, vornehmlich deutschspachige Werke nahegebracht werden (mir wurden wiederholt fremdsprachige Literaturangaben herausgestrichen, was ich nachvollziehen kann). Meiner Beobachtung nach gilt das aber nur für die Spache, in der die Werke vorliegen. Sehr wohl wird für chinesische Geschichte bevorzugt auf chinesische Autoren zurückgegriffen (so ihre Werke denn übersetzt sind).

Was mich besonders freut, ist, dass die Rezensionen in einem Wiki nachgelesen werden können.

Nachtrag:

Sehr erfreut lese ich unter wikipedia-geschichtswissenschaft-und-schule, dass der Autor auch die Erfahrung gemacht hat, dass das Nebeneinander der Artikel in verschiedenen Sprachversionen in der Wikipedia sehr hilfreich für den Terminologievergleich ist  (sein Beispiel Beer Hall Putsch). Ich persönlich finde auch immer wieder die unterschiedlichen Gewichtungen bemerkenswert.