Archive for April 2009

Entwicklung der indischen Softwareindustrie

April 28, 2009

Die Entwicklung der indischen Softwareindustrie zum wichtigsten Exporteur Indiens hat im wesentlichen zwei Ursachen.

Zum einen wurde – entgegen der allgemein geltenden Strategie der Importsubstitution – Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts unter Rajiv Gandhi der Import von Computern erlaubt. (Rothermund: Indien, S.131) Das führte dazu, dass die bisherigen Hardware-Hersteller vor dem Ruin standen, wenn es ihnen nicht gelang, sich entweder auf den Zusammenbau ausländischer Computerteile zu beschränken oder auf die Produktion von Software umzustellen.

Zum anderen war der Export der Software, da er über Telekommunikation lief, der Zollkontrolle entzogen. („Dewang Mehta, der Präsident von NASSCOM sagte dazu treffend, dass in einem Satelliten keine Zollbeamten säßen.“ (Rothermund: Indien, S.132)) Außerdem war die Softwareproduktion, da sie den Dienstleistungen zugerechnet wird, nicht von den Gesetzen für Industriefirmen betroffen. Überdies wirkte sich die Verbilligung der Telekommunikationstarife kostensenkend aus. („Während man 1984 noch 1,2 Mio. US-Dollar pro Monat für eine Satellitenverbindung von 2 MB-Bandbreite zahlen musste, waren es 2002 nur noch 3 800 US-Dollar, und in den folgenden drei Jahren fielen die Preise nochmals um 40 Prozent.“ (Rothermund, S.133))

Die bedeutendsten indischen Firmen im Softwarebereich sind TCS (Tata Consultancy Services), WIPRO (Wipro Technologies), das von Azim Premji von der Produktion von Pflanzenöl auf die von Software umgestellt wurde, und INFOSYS (Infosys Technologies), das jüngste der drei Unternehmen, das 1981 von N. R. Narayanamurthy gegründet wurde.

Literatur

  • Dietmar Rothermund: Indien. Aufstieg einer asiatischen Weltmacht, C.H. Beck, München 2008 ISBN 9783893319008
  • A. Sheshabalaya: Rising Elephant. The Growing Clash with India over White Collar Jobs and its Challenge to America and the World, Momroe/Maine 2005

    Shashi Tharoor: Eine kleine Geschichte Indiens, Suhrkamp, Frankfurt 2005 ISBN 3893316353

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Naturleistung

April 25, 2009

Naturleistung bezeichnet die Leistungen der Natur, die für den Menschen nützlich sind, besonders insofern sie als ökonomische Güter gemessen werden können.

If the flow of services from industrial systems is to be sustained or increased in the future for a growing population, the vital flow from services of living systems will have be to sustained or increased as well.

(Amory B. Lovins, L. Hunter Lovins u. Paul Hawken: A Road Map for Natural Capitalism (Pdf-Datei), in: Harvard Business Review May-June 199, S.155)
Dazu rechnen u.a. Herstellung („nature does the production“ (A Road Map for Natural Capitalism, ebenfalls S.155))
Dazu rechnen u.a. Herstellung von Rohstoffen, Wasserfilterung, Verhinderung von Erosion, Bestäubung, Schädlingsbekämpfung, Produktion von Genmaterial und -veränderung u.a. durch biologische Korridore.
Robert Costanza und andere Vertreter der Naturkapitaltheorie unternahmen in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts ausführliche Untersuchungen der Naturleistungen vor und berechneten als ökonomischen Wert von siebzehn dieser Leistungen etwa 33 Billionen US-Dollar pro Jahr und damit mehr als die 25 Billionen US-Dollar, die die menschliche Ökonomie im Jahr erbringt. Dabei wurde als Wert der Leistungen gerechnet, was an Kosten anfallen würde, wenn die natürlichen Leistungen allein über artifizielle Methoden erbracht werden müssten.


Literatur:

Costanza, Robert u.a.: The value of the world’s ecosystem services and natural capital. Nature 387, S.253-260 (1997)