Archive for the ‘Wikipedia’ Category

Wikimedia Deutschland – Versuch eines Mitglieds, die Vorgänge in seinem Verein zu verstehen

April 14, 2011

Ich bin Wikimedia Deutschland, dem deutschen Chapter (Zweig) der Wikimedia Foundation beigetreten, weil er sich zur Aufgabe gestellt hat, Wikipedia in der Öffentlichkeit zu vertreten und „freies Wissen zu fördern“.

Damals hatte ich den Eindruck, dass die Wikipedia oft zu negativ gesehen wurde. Das Niveau der freiwilligen Mitarbeiter wurde m.E. unterschätzt. Jetzt ist die Wikipedia bekannt, ihr Niveau weitgehend anerkannt, der Niveauunterschied von Artikeln mit großer Wikipedianeröffentlichkeit und manchen Randartikeln wird aber weit unterschätzt.

Durch Spenden, die an sich der Wikimedia Foundation zur Förderung der weltweiten Wikipedia zugedacht sind, kommt Geld herein, das aus rechtlichen Gründen nicht ohne weiteres an die Foudation weitergeleitet werden kann, es gibt mehr und mehr hauptamtliche Mitarbeiter. An die Stelle der kompromisslosen Selbstausbeuter der Anfangsjahre treten Vorstandsmitglieder, die ihr Renomee nicht mehr primär aus ihrer Arbeit in der Wikipedia beziehen, sondern eher an ihrer Vereinsarbeit gemessen werden müssten, und Hauptamtliche, die für ihre Arbeit mehr oder minder gut bezahlt werden.

An ihnen, vor allem aber am Vorstand, ist jetzt recht harte Kritik geübt worden, sie informierten nicht genug über ihre Arbeit. Seit die Mitgliederversammlungen nur noch in Berlin abgehalten werden, fahre ich nicht mehr dahin. Wie kann ich beurteilen, was passiert?

Ich bin dankbar für die Verlaufsprotokolle der außerordentlichen und der turnusgemäßen Sitzungen. Ich freue mich zu lesen, dass kontrovers diskutiert wurde, dass aber der Versammlungsleiter offenbar von beiden Seiten ohne weiteres akzeptiert wurde, obwohl an seinem Stellvertreter durchaus Kritik geübt wurde (aus meiner Sicht, der Sicht eines, der nicht dabei war, eine eher etwas überzogene Kritik). Es gab für fast alle Posten Gegenkandidaten. Die Mehrheiten lagen deutlich unter den bei Bundesparteitagen der Parteien üblichen. Bei den Beisitzerwahlen gab es freilich m.E. zu wenig Konkurrenz. Die meisten Stimmen bekamen da altgediente Wikipedianer mit gutem Renomee in der Gemeinschaft.

So weit ich es den offiziellen Dokumenten entnehmen kann, funktioniert die Überwachung der Vorstandsarbeit noch und ich glaube, sie getrost der Mitgliederversammlung und der nationalen Presse überlassen zu können.

Für Kritik an der Wikipedia sind gegenwärtig der ChaosComputerClub und die Piraten gut. Meines Erachtens ist die Kritik freilich überwiegend überzogen.

Ich werde versuchen, mich gelegentlich im Wikimediamitgliederforum auf den neusten Stand zu bringen. Natürlich wüsste ich gern mehr über die Arbeit des Vereins; aber schließlich sollen sie ja primär externe Öffentlichkeitsarbeit machen und freies Wissen fördern, d.h. dem Vereinszweck dienen und nicht primär meinem Informationsbedürfnis.

Freilich, nach dem, was vorhergegangen war, konnte ich als Briefwähler nicht ohne weiteres den Vorstand wählen. Leichter fiel es bei bekannten Wikipedanern.

Ein ehemaliges Vorstandsmitglied, das ich persönlich kenne, ist zur Wikimedia Foundation nach Kalifornien gegangen. Dort leistet es gewiss gute Arbeit. So wie ich es einschätze, auch wichtige. Die zu beurteilen, mache ich freilich gar nicht erst den Versuch.

Und dann werde ich immer wieder aufgerufen, mich an den Wahlen für Posten mit internationalen Führungsaufgaben in der Wikipedia zu beteiligen. Da könnte ich mich nur nach Empfehlngen von Informierteren richten. Das unterlasse ich lieber.

Es gibt freilich Persönlichkeiten in der Wikipedia, die ich ohne Bedenken für solche Posten wählen würde, wenn sie sich denn dafür bewerben würden. Aber so weit treiben die Selbstausbeutung selbst die nicht.

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Der Autorenschwund in der Wikipedia hat auch erfreuliche Gründe

April 11, 2011

 

Es gibt zwei erfreuliche Gründe für Autorenschwund in der Wikipedia: Weil schon so viele Artikel existieren, gibt es weniger Anlass, neue zu schreiben, und weil die Qualität der Artikel inzwischen meist recht hoch ist, ist es schwieriger, entsprechend gute Artikel zu schreiben und vorhandene zu verbessern.

Das habe ich sowohl in der deutschen als auch in der Simple English Wikipedia festgestellt.

Die anderen Gründe gelten freilich auch. Gegenwärtig arbeite ich hauptsächlich in einem Lehrerwiki, wo ein sehr freundlicher Umgangston herrscht.

Be der Gelegenheit noch einmal ein Lob: Es gelingt mir nur sehr selten, in der Wikipedia aktuelle Artikel zu verbessern, und schon gar nicht, welche anzulegen. Die Qualität, die Artikel etwa wie zum Störfall in Fukushima in kürzester Zeit erreichen, ist beachtlich.

Strafanzeige gegen Wikipediaautoren wegen Verletzung des Urheberrechts

März 13, 2011

So sehr ich die Strafanzeige bedaure, so muss ich doch darauf bestehen, dass Georg Zoche im Recht ist, wenn er fordert, dass sein Urheberrecht respektiert wird und dass es erlaubt sein muss, in der Wikipedia – wie in wissenschaftlichen Werken – sich selbst zu zitieren.

Verliert Wikipedia Autoren und wenn ja, warum?

August 21, 2010

Die FAZ konstatiert: Wikipedia verliert Autoren.
Natürlich gibt es einen normalen Wechsel, natürlich werden potentielle Autoren aufgrund der an sie herangetragenen Erwartungen abgeschreckt. Das ist normal und könnte zur Qualitätssteigerung beitragen. Schließlich werden ständig so viele neue Artikel erstellt, dass die Administratoren sich freuen, wenn deren Zahl sich in Grenzen hält.
Die Frage ist freilich: Werden gute eher als mittelmäßige Autoren abgeschreckt? Diese Frage wage ich nicht zu beantworten, denn die mir bekannt gewordenen Untersuchungsergebnisse reichen meiner Einschätzung nach bei weitem nicht aus, eine fundierte Antwort zu begründen.
Zum einen: Die Zahl der Artikel wächst in der englischsprachigen Wikipedia täglich um 1000, in der deutschen täglich um 400. (vgl. Bildblog) Die FAZ spricht zu Unrecht von einem Artikelrückgang (nur die Steigerungsrate geht zurück, das ist aber unvermeidlich, wenn erst einmal eine gewisse Größe erreicht ist.) Newsweek, auf das die FAZ sich stützt, spricht von einem Rückgang der Zahl der Autoren.
Zum anderen: Wenn die Zahl der Autoren zurückgeht, so ließe sich das sehr wohl auf gestiegene Qualitätsanforderungen zurückführen. Und dass die Wikipedianer sich um qualifizierten Nachwuchs sorgen, das haben sie mit der bundesrepublikanischen Wirtschaft gemeinsam. Nur: die Wikipedia kann ihre Autoren nicht bezahlen und sie hat auch kein Grenzregime, das jährlich tausende Mitarbeitswillige in den Tod schickt, wie die EU es hat.

Fortschreibung der Menschheitsgeschichte

Juli 17, 2010

Bei der Betrachtung der Geschichte des 21. Jahrhunderts wird mir deutlich, dass ab dem Ende des 20. Jahrhunderts die Entwicklung der Weltwirtschaft, insbesondere des Welthandels und die Geschichte einiger wichtiger Weltkonzerne zum Verständnis der Menschheitsgeschichte von wachsender Bedeutung sind (vgl. Finanzkrise ab 2007). Leider liegt dazu in der Wikipedia nur sehr wenig Zusammenfassendes vor. Ich hoffe also darauf, dass dieser Bereich noch besser bearbeitet wird.

Dafür habe ich schon mal ein wenig Material zur Geschichte der Weltwirtschaft zusammengetragen und bin dankbar für alle Hinweise, Ergänzungen und natürlich Kritik.

Die interessiert mich auch zu den kurzen Zusätzen, die ich heute in den Artikel Menschheitsgeschichte gesetzt habe:

„Zunächst erschien es so, als könne die Beendigung des Kalten Krieges aufgrund allgemeiner Abrüstung zu einer Friedensdividende und zu allgemeiner Demokratisierung führen. Dabei herrschte angesichts der unumstrittenen Stellung der USA als einziger verbliebener Supermacht auch eine gewisse Einigkeit darüber, dass die wirtschaftliche Entwicklung von Deregulierung und Globalisierung geprägt sein sollte.[49]

[…]

Innenpolitisch erzielte [Obama] 2010 mit seiner – aufgrund massiver Gegenwehr freilich verwässerten – Gesundheitsreform einen ersten und mit den Maßnahmen zur Regelung des Finanzmarktes[52] einen zweiten Erfolg.

Neben die G 8 trat als internationales Konsultationsforum die G 20, der neben anderen Schwellenländern insbesondere China und Indien angehörten. Diese gewannen bei Beratungen über die Finanzkrise ab 2007 verstärkte Bedeutung[53] und machten auch sonst immer häufiger als Großmächte ihre nationalen Interessen geltend, …“

Ich bitte auch die Anmerkungen anzuklicken, die direkt zu den Anmerkungen in der Wikipedia führen, und die auch zu begutachten.

Wikipediagefahr

November 2, 2009

All das Geschimpfe über Blockwarte, Löschnazis u.a. in der Wikipedia ist völlig überzogen, auch wenn immer wieder einzelne sich daneben benehmen, dummes Zeug daherreden oder Fehlentscheidungen treffen.

Die Gefahr liegt darin, dass  die Wikipedia irgendwann ein Monopol als universelles Lexikon entwickeln könnte. Das könnte passieren, wenn sich ihre Qualität weiter steigert und alle an Enzyklopädiearbeit Interessierten bei ihr mitarbeiten. Die Herabsetzung der Wikipedia und der Arbeit der Wikipedianer, die gegenwärtig im Netz Mode ist, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Möglichkeit besteht.

Die Gefahr eines Monopols aber wäre, dass gewisse innovative Wissensbereiche (und das könnten auch neue politische Bewegungen sein) aufgrund der Regeln und der Struktur der Wikipedia unterdrückt werden. Sie hat nämlich durchaus eine Tendenz zur Erstarrung, auch wenn das, was gegenwärtig darüber gesagt wird, stark übertrieben ist.

Deshalb ist zu hoffen, dass die wüsten Angriffe nicht einfach nur abgewehrt werden, sondern zu einem Überdenken der Löschgewohnheiten in der Wikipedia führen. Angemahnt wurde das von Wikipedianern schon lange.

Diskussion zu Relevanzkriterien der Wikipedia

Oktober 31, 2009

Als Wikipedianer bin ich Löschkritiker und habe diesen Blog nicht zuletzt dazu angelegt, um ein paar Beiträge von mir, die in der Wikipedia gelöscht wurden, zu dokumentieren. (Die zu Körner und Muckensturm sind freilich erhalten geblieben bzw. wieder hergestellt.)  Die Diskussion, in der die Administratoren der Wikipedia jetzt als „Blockwarte“ und „Löschnazis“ angegriffen werden, übertrifft an unerfreulichem Ton freilich die schlimmsten Löschdiskussionen, mit denen ich zu tun hatte.

Auch das Angebot des Wikimediavereins zu einer öffentlichen Diskussion wird nur mit Häme überschüttet. Offenbar fehlt mir nicht nur der Sinn für Wikipedialöschdiskussionen, sondern vor allem der für die neue Art der Löschkritiker.

Wikipedia und neue Mitarbeiter

Oktober 27, 2009

In dern neusten Nummer der Vereinszeitung von Wikimedia wird, ans uns Wikipedianer gerichtet, kritisch gefragt:

„Warum werden Neulinge derart unfreundlich begrüßt?
Sind die Wikipedianer wirklich so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie gar nicht mehr mitkriegen, wie sie nach außen wirken?“

Natürlich werden Neulinge nicht üblicherweise unfreundlich begrüßt. Aber für den, der die erwarteten Mindeststandards nicht erfüllt, gibt es durchaus manchmal herbe Kommentare.

Die habe ich auch selbst – nicht zu Unrecht – bekommen, wenn ich etwas nicht ganz Ausgereiftes schon eingestellt habe. Meine Ansicht dazu ist, dass ich selbst so etwas ja noch weiter bearbeiten will und dass andererseits ein Wiki ja gerade dafür gedacht ist, dass Beiträge gemeinsam weiter entwickelt werden. Mancher fähigere Wikipedianer würde sich freilich schämen, solche Beiträge einzustellen. (Dazu rechne ich nicht nur solche Ausnahmekönner wie den leider jüngst verstorbenen Bradypus.  Mancher Administrator hat freilich einen rüden Ton am Leib, ohne besonders fähig zu sein.)

Relevanzkriterien der Wikipedia im Gespräch

Oktober 23, 2009

Da die Hinweise gegenwärtig in einer Löschdiskussion der Wikipedia versteckt sind, hier einige Artikel zu den Relevanzkriterien der Wikipedia und ihrer Diskussion:

Zusätzlich der Blogartikel Kein Mensch ist irrelevant

mit über 70 Kommentaren uns über 25 Trackbacks (Verweisen auf Blogartikel, in denen auf ihn Bezug genommen wird)

Administratoren bei Wikipedia

Oktober 21, 2009

Noch eine Sache, die mich stört ist dieses Administratorenbashing. Es gibt keine echte Gruppe der Admins. Das ist ein inkohärenter Haufen mit den unterschiedlichsten Ansichten, Mentalitäten, Arbeitsweisen und Projektauffassungen. Es gibt nicht “die” Admins. Viele von ihnen machen diesen nicht leichten Job in sehr verantwortungsvoller Weise. Manche sind natürlich auch etwas in ihrem Blickfeld beschränkt und halten in ihrem eigenen Fachbereich alles für relevant, in anderen Bereichen schwingen sie aber fleissig die Löschkeule. Nicht schön – aber am Ende wäre die Wikipedia ohne auch mal strenge Admins eine Müllhalde.

So Marcus Cyron in einem Kommentar auf dem Blog Aggregat7
Ich finde ja auch, dass zu viele Artikel in der Wikipedia gelöscht werden, aber die Administratoren sind definitiv keine einheitlichr Gruppe.