Archive for the ‘Wirtschaft’ Category

Die Preußische Zentralstadtschaft

Mai 21, 2011

Die Preußische Zentralstadtschaft ist ein Verband der folgenden in Preußen bestehenden
acht Stadtschaften:
Zusammensetzung und  Zweck des Verbandes.

Stadtschaft  der Provinz Brandenburg, Berlin, Pom-mersche Stadtschaft, Stettin,  Ostpreußische Stadt­schaft,  Königsberg Pr., Stadtschaft der Provinz Hannover, Hannover, Stadtschaft der Provinz Grenz­mark Posen-Westpreußen, Schneidemühl, Ober-schlesische Stadtschaft, Ratibor, Stadtschaft der Provinz Sachsen, Halle a. S., Stadtschaft der Pro­vinz  Niederschlesien, Breslau.

Der  Name „Stadtschaft“ ist in Anlehnung an den  Namen „Landschaft“ entstanden; während die Landschaften der Landwirtschaft langfristige Kredite  zuführen, dienen die Stadtschaften dem Realkredit  durch die Hergabe von erststelligen Tilgungsgoldhypotheken  auf bebaute oder in der Bebauung  befindliche Hausgrundstücke.

Aufgabe der Zentral­stadtschaft  und der Einzelstadtschaften.

Aufgabe  der Zentralstadtschaft ist die Ausgabe und  der Vertrieb der durch Goldhypotheken ge­deckten Pfandbriefe, während die Einzelstadt-schaften  die Darlehnsgewährung in ihrem provin­ziellen Beleihungsbezirk ausüben.

Der  Londoner Gold­preis  als Grundlage für die  Berechnung des Geldwertes.

Die  Goldpfandbriefe der Preußischen Zentralstadt­schaft  werden zum Goldmarkpreise verzinst und zum Goldmarkpreise in deutscher Reichswährung eingelöst. 1 Goldmark =  1/2?9o  kg Feingold. Als amtlich festgestellter Preis für Feingold gilt der im  Reichsanzeiger bekanntgegebene Londoner Goldpreis.
Es ist also ein Wertverhältnis zum
Gold  festgelegt; die Goldpfandbriefe sind dem­nach  wertbeständig.

aus: Der Goldpfandbrief der Preußischen Zentralstatschaft, o.J. (vermutlich 1931), S.2 und 4

Weltwirtschaft seit 1990

Juli 31, 2010

Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks und der sich daraus ergebenden enormen Ausweitung des marktgesteuerten Wirtschaftsraumes setzte sich Deregulierung, wie sie im Washington Consensus von 1990 festgelegt wurde, weltweit durch. Schon 2005 überschritt der Welthandel die Grenze von einer Billion Dollar, doch seine enorme Steigerung wurde bei weitem übertroffen von den Finanztransaktionen, denen kein Warenaustausch zugrunde lag. Trotz unterschiedlicher Berechnungen besteht Einigkeit darüber, dass der Warenaustausch zu Beginn der Finanzkrise 2007 weniger als 10% der Finanztransaktionen ausmachte.

Die Finanzkrise führte zu einer deutlichen Stärkung des wirtschaftlichen Gewichts der asiatischen Länder, die weniger in Spekulationspapiere investiert hatten. Wie sich die Krise mittelfristig weltwirtschaftlich auswirken wird, ist aber noch nicht zu übersehen.

Weltwirtschaft seit 1945

Juli 27, 2010

Nach 1945 wurde im Zuge des Marshallplans eine stark kooperierende west- und mitteleuropäische Wirtschft aufgebaut, die über das Bretton-Woods-System in einen Verbund von 40 Staaten durch feste Wechselkurse verbunden war. Die wirtschaftliche Spaltung verlief jetzt zwischen West- und Ostblock. Doch in den 70er Jahren geriet dies System durch zwei Entwicklungen in die Krise: zum einen durch stärkere Automatisierung und die parallele Verlagerung von Arbeitsplätzen des ersten und zweiten Sektors in Ländern mit billigeren Arbeitskräften, zum andern durch die gestiegene Macht der OPEC-Länder und die dadurch erzwungene Ölpreiserhöhung (Ölkrise). Der daraus resultierende Anstieg von Warenbewegungen sowie der Ölpreisanstieg führte zu einer Vervierfachung des Welthandels und die daraus sich ergebenden Investitionen zu einer Versechsfachung der Auslandsinvestitionen.

Weitere Integration der Wirtschaftsräume

Juli 19, 2010

Zwischen 1800 und 1913 nahm der Welthandel auf das 25-Fache zu und wuchs damit noch stärker als die Weltproduktion.[2] Das war zum einen auf sinkende Frachtraten, zum anderen auf Zollreduktionen zurückzuführen, bei denen Großbritannien beispielgebend vorausgegangen war. Freilich reduzierten nicht alle Staaten freiwillig die Zölle. Indien tat es nur, weil es Teil des British Empire war. China und das Osmanische Reich wurden im Zuge von Kreditverhandlungen dazu verpflichtet.[3] Der Trend zur Handelsausweitung wurde auch dadurch nicht gebrochen, dass ab 1870 eine Reihe europäischer Staaten zur Schutzzollpolitik überging.

Auf dem Weg zur Weltwirtschaft

Juli 19, 2010

Schon die Wirtschaftsräume des Altertums waren durch vielfätige Handelsrouten, die so genannte Seidenstraße, mit einander verbunden, und im Zeitalter der Kreuzzüge verstärkte sich dieser Austausch erheblich, insbesondere zwischen dem arabischen und dem europäischen Raum. Auch das Mongolische Reich trug zum ost-westlichen Austausch bei, doch erst im Laufe der europäischen Expnsion tragen die Wirtschaftsbeziehungen weit entfernter Wirtschafträume entscheidend zur Kapitalakkumulation eines Raumes bei. Zunächst schafften die Konquistadoren recht einseitig Reichtümer aus den neu entdeckten und eroberten Gebieten nach Europa. Doch im Zuge der Industriellen Revolution kam es dann zu einem Warenaustausch dieser weit voneinander entfernten Wirtschaftsräume, der den Produktionsaufwand für beide Seiten herabsetzt.[1] Aufgrund dieser praktischen Erfahrung wird der Merkantilismus als ökonomische Theorie ganz aufgegeben und mehr und mehr durch die Freihandelstheorie ersetzt. Erst in dieser Phase entsteht eine Weltwirtschaft im modernen Sinne.

Indien – Wassermangel

Mai 13, 2009

Indien deckt die Hälfte seines Wasserbedarfs aus Grundwasser. (S.178) Doch nur die Hälfte des Verbrauchs wird natürlich ersetzt. (S.176) Deshalb sinkt der Grundwasserspiegel laufend ab. Viele Pumpen reichen schon über 100 m hinunter. Es gibt waterlords, die über solche Brunnen den Bauern der Umgebung das Grundwasser entziehen, um es ihnen dann teuer zu verkaufen. Gedeckt wird das durch ein Kolonialgesetz von 1882, die Indian Easement Acts. (S.175)

Im Grundwasser tauchen Industrieverschmutzungen auf. Während sie bei Oberflächenwasser in kurzer Zeit, höchstens nach einigen Wochen wieder beseitigt sind, wenn die Quelle ausgeschaltet ist, dauert es beim Grundwasser Jahrtausende. (S.177)

Da die Zuständigkeit für die Wasserversorgung bei den Bundesländern liegt, kann der Bund keine einheitlichen Regelungen durchsetzen. (S.178f.)

Dietmar Rothermund: Indien. Aufstieg einer asiatischen Großmacht, München 2008

Was sich so ergibt

Mai 9, 2009

Beim Versuch, den Artikel Menschheitsgeschichte zu verbessern, werde ich mit den Praktiken konfrontiert, die in der Volksrepublik China eine rasante Umwandlung von Volkseigentum in Privateigentum ermöglichen. Rent seeking ist eine mögliche Methode und Gu Chujun war besonders erfolgreich im Umwandeln.

Entwicklung der indischen Softwareindustrie

April 28, 2009

Die Entwicklung der indischen Softwareindustrie zum wichtigsten Exporteur Indiens hat im wesentlichen zwei Ursachen.

Zum einen wurde – entgegen der allgemein geltenden Strategie der Importsubstitution – Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts unter Rajiv Gandhi der Import von Computern erlaubt. (Rothermund: Indien, S.131) Das führte dazu, dass die bisherigen Hardware-Hersteller vor dem Ruin standen, wenn es ihnen nicht gelang, sich entweder auf den Zusammenbau ausländischer Computerteile zu beschränken oder auf die Produktion von Software umzustellen.

Zum anderen war der Export der Software, da er über Telekommunikation lief, der Zollkontrolle entzogen. („Dewang Mehta, der Präsident von NASSCOM sagte dazu treffend, dass in einem Satelliten keine Zollbeamten säßen.“ (Rothermund: Indien, S.132)) Außerdem war die Softwareproduktion, da sie den Dienstleistungen zugerechnet wird, nicht von den Gesetzen für Industriefirmen betroffen. Überdies wirkte sich die Verbilligung der Telekommunikationstarife kostensenkend aus. („Während man 1984 noch 1,2 Mio. US-Dollar pro Monat für eine Satellitenverbindung von 2 MB-Bandbreite zahlen musste, waren es 2002 nur noch 3 800 US-Dollar, und in den folgenden drei Jahren fielen die Preise nochmals um 40 Prozent.“ (Rothermund, S.133))

Die bedeutendsten indischen Firmen im Softwarebereich sind TCS (Tata Consultancy Services), WIPRO (Wipro Technologies), das von Azim Premji von der Produktion von Pflanzenöl auf die von Software umgestellt wurde, und INFOSYS (Infosys Technologies), das jüngste der drei Unternehmen, das 1981 von N. R. Narayanamurthy gegründet wurde.

Literatur

  • Dietmar Rothermund: Indien. Aufstieg einer asiatischen Weltmacht, C.H. Beck, München 2008 ISBN 9783893319008
  • A. Sheshabalaya: Rising Elephant. The Growing Clash with India over White Collar Jobs and its Challenge to America and the World, Momroe/Maine 2005

    Shashi Tharoor: Eine kleine Geschichte Indiens, Suhrkamp, Frankfurt 2005 ISBN 3893316353

Naturleistung

April 25, 2009

Naturleistung bezeichnet die Leistungen der Natur, die für den Menschen nützlich sind, besonders insofern sie als ökonomische Güter gemessen werden können.

If the flow of services from industrial systems is to be sustained or increased in the future for a growing population, the vital flow from services of living systems will have be to sustained or increased as well.

(Amory B. Lovins, L. Hunter Lovins u. Paul Hawken: A Road Map for Natural Capitalism (Pdf-Datei), in: Harvard Business Review May-June 199, S.155)
Dazu rechnen u.a. Herstellung („nature does the production“ (A Road Map for Natural Capitalism, ebenfalls S.155))
Dazu rechnen u.a. Herstellung von Rohstoffen, Wasserfilterung, Verhinderung von Erosion, Bestäubung, Schädlingsbekämpfung, Produktion von Genmaterial und -veränderung u.a. durch biologische Korridore.
Robert Costanza und andere Vertreter der Naturkapitaltheorie unternahmen in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts ausführliche Untersuchungen der Naturleistungen vor und berechneten als ökonomischen Wert von siebzehn dieser Leistungen etwa 33 Billionen US-Dollar pro Jahr und damit mehr als die 25 Billionen US-Dollar, die die menschliche Ökonomie im Jahr erbringt. Dabei wurde als Wert der Leistungen gerechnet, was an Kosten anfallen würde, wenn die natürlichen Leistungen allein über artifizielle Methoden erbracht werden müssten.


Literatur:

Costanza, Robert u.a.: The value of the world’s ecosystem services and natural capital. Nature 387, S.253-260 (1997)