Posts Tagged ‘Wikipedia’

Der Autorenschwund in der Wikipedia hat auch erfreuliche Gründe

April 11, 2011

 

Es gibt zwei erfreuliche Gründe für Autorenschwund in der Wikipedia: Weil schon so viele Artikel existieren, gibt es weniger Anlass, neue zu schreiben, und weil die Qualität der Artikel inzwischen meist recht hoch ist, ist es schwieriger, entsprechend gute Artikel zu schreiben und vorhandene zu verbessern.

Das habe ich sowohl in der deutschen als auch in der Simple English Wikipedia festgestellt.

Die anderen Gründe gelten freilich auch. Gegenwärtig arbeite ich hauptsächlich in einem Lehrerwiki, wo ein sehr freundlicher Umgangston herrscht.

Be der Gelegenheit noch einmal ein Lob: Es gelingt mir nur sehr selten, in der Wikipedia aktuelle Artikel zu verbessern, und schon gar nicht, welche anzulegen. Die Qualität, die Artikel etwa wie zum Störfall in Fukushima in kürzester Zeit erreichen, ist beachtlich.

Strafanzeige gegen Wikipediaautoren wegen Verletzung des Urheberrechts

März 13, 2011

So sehr ich die Strafanzeige bedaure, so muss ich doch darauf bestehen, dass Georg Zoche im Recht ist, wenn er fordert, dass sein Urheberrecht respektiert wird und dass es erlaubt sein muss, in der Wikipedia – wie in wissenschaftlichen Werken – sich selbst zu zitieren.

Das Interview von Benedikt XVI. und seine Widerspiegelung in der Wikipedia

November 25, 2010

Auf die Nachrichten über Benedikts Buch „Licht der Welt“ hin setzte ich am 22.11.10 folgende Passage in den Artikel zu Benedikt XVI.:

Differenzierte Stellungnahme zu StreitfragenIn einem Interview am 21.11.2010 hat Benedikt XVI. einige Aussagen aus seinem Buch „Licht der Welt. Der Papst, die Kirche und die Zeichen der Zeit“ vorweggenommen und u.a. erklärt, dass:
die Verwendung von Kondomen unter bestimmten Voraussetzungen gerechtfertigt sein könne (Aidsverhütung)
– ein Papst im Krankheitsfall das Recht zum Rücktritt habe und bei dauernder Unfähigkeit zur Amtsausübung sogar die Pflicht
– ein verallgemeinertes Burkaverbot nicht sinnvoll sei und dass Moscheen auch in den westlichen Ländern gebaut werden sollten
– er Bischof Richard Williamson nicht teilrehabilitiert hätte, wenn er gewusst hätte, dass dieser die Existenz der Gaskammern der Nazis leugnete. [Link]
Eine Stunde später hieß es auf der Diskussionsseite des Artikels: „Die derzeitige Lösung mit dem Abschnitt „Differenzierte Stellungnahme zu Streitfragen“ finde ich unglücklich, nicht nur, weil „differenzierte“ eine Wertung ist, sondern auch, weil es sich ein Sammelsurium von Aussagen handelt, die zum Teil thematisch in andere Abschnitte gehören, etwa „Burkaverbot“ und Moscheebau zum Verhältnis zum Islam, Williamson zu den Piusbrüdern.“
Etwa eineinhalb Stunden später wurde der Abschnitt gelöscht mit der Begründung: „Die aufgeführten Punkte bitte nicht als Aufzählung der aktuellen Presseberichte stehen lassen, sondern an geeigneter Stelle in den Artikel einarbeiten.“

Heute, am 25.11., kenne ich einige Passagen aus dem Interview aufgrund eines ZEIT-Artikels von heute genauer. Da heißt es:

»Es mag begründete Einzelfälle geben«, sagt der Papst, »etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein kann, ein erstes Stück Verantwortung, um wieder ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will.«
Die Kasuistik, die der Papst hier anwendet – übersetzt so viel wie »Lehre von den (Einzel-)Fällen« –, ist eine jahrhundertealte, zumal von Jesuiten entwickelte Methode, um von den abstrakten Moralprinzipien der Kirche zu dem individuell Gebotenen zu kommen. Dahinter steht die Einsicht, dass Moralprinzipien sich auch in die Quere kommen können und die Verletzung des einen Verbotes (hier von künstlichen Verhütungsmitteln) unter Umständen möglich sein muss, um die Verletzung eines anderen, höherrangigen Verbotes (hier der Schädigung von Leib und Leben des Nächsten) zu verhindern.
Das Werk mit dem Titel „Licht der Welt“ beleuchtet auch persönliche Seiten des katholischen Kirchenoberhaupts.
Der Papst tut also in der Interviewäußerung keinen revolutionären Schritt, sondern bewegt sich in ältester Kirchentradition. An der grundsätzlichen Geltung eines Verbotes ändert der individuelle Dispens nichts. Benedikt XVI. beharrt an mehreren Stellen des Buches auf der Ablehnung des Kondoms (mehr noch der Pille) und begründet sie in der strittigen Passage noch einmal folgendermaßen: »Die bloße Fixierung auf das Kondom bedeutet eine Banalisierung der Sexualität, und die ist ja gerade die gefährliche Quelle dafür, dass so viele Menschen in der Sexualität nicht mehr den Ausdruck ihrer Liebe finden, sondern nur noch eine Droge, die sie sich selbst verabreichen.«

In der Tat könnte man in dem Artikel inzwischen Differenzierteres schreiben, als ich es getan hatte. Und in einem Artikel zu „Licht der Welt“ ohnehin. Bieher steht im Artikel freilich nichts zu dem Interview.
Man merkt, hier stehen Wikiprinzip („schnell“) und gut abgesicherte Aussage in Gegensatz.

Bei Gelegenheit werde ich überprüfen, was dann in den betreffenden Artikeln steht.

Geschichtsartikel in der Wikipedia

Juli 9, 2010

Eine interessante Rezension einiger Geschichtsartikel aus Wikipedia legt Peter Haber im histnet-Blog vor.

Dabei konstatiert er: sehr unterschiedliche Qualität der Artikel, Probleme besonders bei Überblicksartikeln, unzureichende Benutzung ausländischer Literatur u.a.. Bei allen Beobachtungen möchte ich ihm zustimmen, sehe den gegenwärtigen Stand aber nicht ganz so kritisch. Wenn ich die Artikel von vor sechs Jahren, als bei der Wikipedia als IP anfing, mit den gegenwärtigen vergleiche, so stelle ich meist erhebliche Verbesserungen fest.

Leider gilt das aber nicht für die von mir verfassten. So hoffe ich darauf, dass auch mal Artikel von mir in den kritischen Blick kommen, damit ich mich erfolgreicher um Verbesserung bemühen kann.

Zwei Anmerkungen möchte ich noch zu Habers Artikel machen:

Zum einen: Dass Geschichtsartikel der verschiedenen Sprachen von nationalen Sichtweisen geprägt sind, ist immer wieder zu beobachten. Es gerade daran festzumachen, dass die englische WP sich über die Körpergröße von Dollfuß mokiert, scheint freilich nicht besonders bezeichnend.

Zum andern: Zu Recht wird angemerkt, dass fremdsprachige Literatur bei der Erstellung der Artikel weniger beachtet wird. Freilich legt es sich nahe, dass jemandem, der die deutschsprachige Wikipedia benutzt, vornehmlich deutschspachige Werke nahegebracht werden (mir wurden wiederholt fremdsprachige Literaturangaben herausgestrichen, was ich nachvollziehen kann). Meiner Beobachtung nach gilt das aber nur für die Spache, in der die Werke vorliegen. Sehr wohl wird für chinesische Geschichte bevorzugt auf chinesische Autoren zurückgegriffen (so ihre Werke denn übersetzt sind).

Was mich besonders freut, ist, dass die Rezensionen in einem Wiki nachgelesen werden können.

Nachtrag:

Sehr erfreut lese ich unter wikipedia-geschichtswissenschaft-und-schule, dass der Autor auch die Erfahrung gemacht hat, dass das Nebeneinander der Artikel in verschiedenen Sprachversionen in der Wikipedia sehr hilfreich für den Terminologievergleich ist  (sein Beispiel Beer Hall Putsch). Ich persönlich finde auch immer wieder die unterschiedlichen Gewichtungen bemerkenswert.

Wikipediagefahr

November 2, 2009

All das Geschimpfe über Blockwarte, Löschnazis u.a. in der Wikipedia ist völlig überzogen, auch wenn immer wieder einzelne sich daneben benehmen, dummes Zeug daherreden oder Fehlentscheidungen treffen.

Die Gefahr liegt darin, dass  die Wikipedia irgendwann ein Monopol als universelles Lexikon entwickeln könnte. Das könnte passieren, wenn sich ihre Qualität weiter steigert und alle an Enzyklopädiearbeit Interessierten bei ihr mitarbeiten. Die Herabsetzung der Wikipedia und der Arbeit der Wikipedianer, die gegenwärtig im Netz Mode ist, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Möglichkeit besteht.

Die Gefahr eines Monopols aber wäre, dass gewisse innovative Wissensbereiche (und das könnten auch neue politische Bewegungen sein) aufgrund der Regeln und der Struktur der Wikipedia unterdrückt werden. Sie hat nämlich durchaus eine Tendenz zur Erstarrung, auch wenn das, was gegenwärtig darüber gesagt wird, stark übertrieben ist.

Deshalb ist zu hoffen, dass die wüsten Angriffe nicht einfach nur abgewehrt werden, sondern zu einem Überdenken der Löschgewohnheiten in der Wikipedia führen. Angemahnt wurde das von Wikipedianern schon lange.

Diskussion zu Relevanzkriterien der Wikipedia

Oktober 31, 2009

Als Wikipedianer bin ich Löschkritiker und habe diesen Blog nicht zuletzt dazu angelegt, um ein paar Beiträge von mir, die in der Wikipedia gelöscht wurden, zu dokumentieren. (Die zu Körner und Muckensturm sind freilich erhalten geblieben bzw. wieder hergestellt.)  Die Diskussion, in der die Administratoren der Wikipedia jetzt als „Blockwarte“ und „Löschnazis“ angegriffen werden, übertrifft an unerfreulichem Ton freilich die schlimmsten Löschdiskussionen, mit denen ich zu tun hatte.

Auch das Angebot des Wikimediavereins zu einer öffentlichen Diskussion wird nur mit Häme überschüttet. Offenbar fehlt mir nicht nur der Sinn für Wikipedialöschdiskussionen, sondern vor allem der für die neue Art der Löschkritiker.

Administratoren bei Wikipedia

Oktober 21, 2009

Noch eine Sache, die mich stört ist dieses Administratorenbashing. Es gibt keine echte Gruppe der Admins. Das ist ein inkohärenter Haufen mit den unterschiedlichsten Ansichten, Mentalitäten, Arbeitsweisen und Projektauffassungen. Es gibt nicht “die” Admins. Viele von ihnen machen diesen nicht leichten Job in sehr verantwortungsvoller Weise. Manche sind natürlich auch etwas in ihrem Blickfeld beschränkt und halten in ihrem eigenen Fachbereich alles für relevant, in anderen Bereichen schwingen sie aber fleissig die Löschkeule. Nicht schön – aber am Ende wäre die Wikipedia ohne auch mal strenge Admins eine Müllhalde.

So Marcus Cyron in einem Kommentar auf dem Blog Aggregat7
Ich finde ja auch, dass zu viele Artikel in der Wikipedia gelöscht werden, aber die Administratoren sind definitiv keine einheitlichr Gruppe.

Simple English Wikipedia

Mai 9, 2009

Da ich einige Zeit relativ viel in der SEWP gearbeitet habe, freue ich mich, jetzt ein recht positives Urteil eines englischen Autors dazu zu lesen.

Interessant ist auch die dortige Diskussion. Freilich ist zuzugestehen, dass viele Artikel weit von der wünschenswerten Einfachheit bei gleichzeitiger Vollständigkeit entfernt sind. Aber angesichts der Möglichkeit, die anspruchsvollere Version jederzeit beizuziehen, ist der Mangel an Perfektion in dieser Hinsicht m.E. auch zu verschmerzen.

Fürstenhecke

Januar 13, 2009

Deutschland wurde als die Fürstenhecke Europas bezeichnet, wobei Hecke in diesem Fall von hecken im Sinne von hervorbringen gemeint ist, weil es nach dem Westfälischer Frieden hier viele souveräne Landesherren gab, mit denen für die regierenden Herrscherhäuser standesgemäße Ehen möglich waren. So findet sich in den Ahnentafeln der meisten europäischen Herrscher des 19. Jahrhunderts irgendein deutscher Vorfahr.

Ein Beispiel für den Aufstieg aus einem deutschen Kleinstaat an die Spitze des absolutistisch regierten Russland stellt z. B. Katharina II. von Russland dar, deren Vater als preußischer General diente und die als Sophie Auguste Friederike von AnhaltZerbstDornburgBKL geboren wurde.

Kooperation Bundesarchiv Koblenz mit Wikipedia

Dezember 4, 2008

85 000 historische Fotos bis zu den verhältnismäßig aktuellen der Erstürmung von Stasizentralen stellt das Bundesarchiv den Commons von Wikipedia/Wikimedia zur Verfügung.